Das Wettkampftempo ist zu schnell

Ich frage mich immer, warum ich so ein fürchterlich schnelles Wettkampftempo gewählt habe. Es bestünde doch theoretisch die Möglichkeit, etwas langsamer zu laufen und trotzdem noch zu gewinnen. Gegen mich. Aber nein. Ich wähle etwa 15 km/h. Sieht gut aus. Ist man schneller im Ziel. Muss man nicht so lang auf der Strecke bleiben.  Zack und durch. So ist das am besten.

Doch fällt mir bei den sogenannten Kraftausdauereinheiten, bei denen man lernen soll, dieses Tempo über einen längeren Zeitraum durchzuhalten, auf, dass auch die kürzeren Zeiträume ganz schön lang sind. Wie um alles in der Welt soll ich jemals 42 Kilometer lang dieses Tempo durchhalten, wenn es schon auf 10 Kilometer kaum machbar ist?

Dienstage sind die Warum-tu-ich-mir-das-an-Tage, Freitage sind Herr-lass-Abend-werden-Tage. Einlaufen, Rauszögern, Dehnen, was kein Mensch mehr macht, seit mit Styropor wieder Geld verdient wird und dann los. Der erste Kilometer geht immer. Locker, etwas schneller, loofd. Supi. Doch nach drei Kilometern im geplanten Wettkampftempo kommt fürchterlich erdrückend die Erkenntnis, dass das auf 42 Kilometer keinesfalls zu schaffen ist. Platt nach 3 Kilometern. Psychoplatt. Das kann ja gar nichts werden. Viel zu anstrengend alles. Viel zu schnell und viel zu lang.

Doch oh Wunder. Was geschieht bei Kilometer vier? Der Kopf wälzt mal andere als die Hilfe-ich-will-kein-Läufer-mehr-sein-Gedanken. Fast schon aus Pflichtgefühl senke ich den Blick auf die Distanzanzeige und sehe, dass wie aus dem Nichts schon sechs Kilometer absolviert sind. Unglaublich, was Nicht-Konzentration alles bewirken kann. Denk an was anderes und es läuft wie von selbst. Na ja. Leider konnte ich es nicht verhindern, mit meinem Blick auf die Uhr auch die Geschwindigkeitsanzeige zu sehen. Die Gedanken sind frei, das Tempo auch. Es schwankt. Am liebsten in die Richtung langsam. Kraftausdauer. Ausdauer hab ich. Ausdauer, mich abzulenken. Fehlt nur die Kraft, trotzdem das Tempo zu halten.

Also Gas geben. Geht ja auch schneller vorbei, wenn man schneller läuft. Die Entfernung ist sprunghaft auf 8,5 Kilometer angestiegen, das Tempo nur etwa 10 Sekunden pro Kilometer zu langsam und das Ende naht. 10 Kilometer im geplanten Wettkampftempo. Erfahren und wissend erzähle ich allen Lauffreunden, die anfangen oder wieder anfangen zu laufen: „Das ist völlig normal!“ Wettkampftempo ist hart. Am Wettkampftag geht man völlig ausgeruht an den Start, ist euphorisiert und läuft das Tempo fast automatisch über die mehr als vierfache Distanz. Im Training ist das was ganz anderes. Oft hat man die Warum-tu-ich-mir-das-an-Dienstage und zwei „Regenerations“-Trainingstage mit je etwa 15 Kilometern in den Beinen und muss dann Wettkampf spielen. Das ist hart. Zigmal schon erlebt. Am Wettkampftag geht es plötzlich. Nicht leicht, aber es geht. Was du kaum über 10 Kilometer im Training schaffst, schaffst du plötzlich über die Wettkampfdistanz.

Trotzdem frage ich mich freitags immer und immer wieder das Gleiche. Wie soll das auf 42 Kilometer gehen? Irgendwann werde ich es mich nicht mehr fragen. Versprochen. Herr, lass Abend werden.

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