Der letzte Sonntag

Waren die Sonntage immer geprägt vom langen Lauf oder von Wettkämpfen, so ist dieser letzte Sontag vor dem Sonntag der Sonntage, vor dem Lauf der Läufe, ein Sonntag, wie er im Bilderbuch steht. Fünfundvierzig Minuten locker. Locker heißt zügig, aber locker und fünfundvierzig Minuten heißt, dass es schneller vorbei ist, als man glauben möchte. 10 Komma 3 Kilometer und fertig. Zack nach Hause. Kurz und schmerzlos.

Aber da gibt es doch noch ein paar Sachen zu berichten. Je näher man an den Tag der Tage herankommt, desto mehr Läufer grinsen einen an, nicken verständnisvoll oder zeigen einem durch irgendwelche Gesten, dass sie einen bemerken. Aber bemerken sie einen wirklich? Bemerke ich die Läufer wirklich? Oder sehe ich mehr oder weniger in allen begegnenden Läufern mich selbst? Nicke ich mir selbst zu und zeige verständnisvoll, dass ich es jetzt fast geschafft habe? Klopfe mir auf die Schulter und sage: „Mann echt? 1300 Kilometer im letzten Vierteljahr? Sauber!“ Der Läufer braucht nur sich selbst. Es gibt nicht wie im Volleyball einen, der angreift und einen, der stellt und einen, der annimmt. Jeder Läufer muss alles machen. Laufen. Schnell und allein. Deswegen glaube ich auch nicht, dass die Läufer sich plötzlich bemerken, wenn es so auf den Tag der Tage zugeht. Sie sehen sich nur plötzlich selbst und hören ihr Tapptapp, sehen ihre Wettkampfkleidung, die sie testen und sind vor lauter Aufregung ganz aufmerksam zu sich selbst. Und freundlich. Zu sich selbst.

Es ist ähnlich wie das Vor-Rennen-Nervositäts-Geplappere im Startbereich.Wir sitzen in einem Boot. Also ich sitze im Boot und die anderen im gleichen. Nicht im selben. Wir machen alle das gleiche. Das exakt gleiche. Und deswegen muss man sich vielleicht auch abgrenzen und nicht wirklich Kontakt zum anderen aufnehmen. Und natürlich sind die anderen auch alles böse Konkurrenten um den Sieg. Also werde ich weiterhin freundlich zu mir sein, mir zunicken und und mich auf das Startblock-Geplapper freuen.

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