Die letzten Meter

Ich habe den Hals besänftigt. Auch die Lungen haben Verständnis. Das Panikfieber tritt nur noch selten auf. Alles scheint gut. Mein großer Dank geht hier an meinen Körper. Er hat es nicht leicht mit mir. Er muss immer funktionieren. Und wehe ein Hals sagt mal was mit kratziger Stimme. Schon droht das ganze System zu kippen. Aber es kippt dieses Mal nicht. Bisher. Danke.

Ich bin seit Donnerstag in der Taperingphase. Der Mittwoch war nochmals sehr aua. Sehr sehr aua. Sogar mit Muskelkater. Sehr leichtem. Hatte ich nach dem 10.000 Meter Lauf durch den Tierpark nicht, obwohl ich da länger am Stück schneller gelaufen bin. Manchmal ist es schon komisch. Aber diese Pyramidenläufe oder wie das heißt sind auch echt fies. Erst einen Kilometer, dann zwei und dann drei und dann wieder zurück. Man freut sich also nicht nach jedem Intervall, dass es jetzt eins weniger ist, sondern hat Angst vor dem nächsten, weil es härter ist. Vermutlich soll da nochmal kurz gezeigt werden, dass so ein Marathon kein Spaziergang ist. Okay. Ich habe es verstanden.

Am Donnerstag war Ruhetag. Moment. Was heißt das jetzt? Seit 12 Wochen trainiere ich jeden Tag. Und jetzt soll ich einen Tag aussetzen? Das geht doch nicht. Da werde ich sofort fett und alle Muskeln bauen sich ab. Echt jetzt? Gar nix machen? Nix machen, sagt der Trainer. Tapern ist das schwierigste. Na ja, so schwierig war es jetzt ehrlich geschrieben nicht. Halt einfach alles wie sonst, nur nicht laufen. Das geht schon mal. Musst du dich halt zwingen. Ruhetag. Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine. Donnerstag ist Johannespassionstag. Mittwoch war Darum-tu-ich-mir-das-an-Mittwoch. Genau darum. Um Ruhetage genießen zu können, trotz Passion.

Am Freitag war der endgültig letzte lange Lauf. 22 Kilometer langsam. Wirklich langsam. Schön war’s. Aber aus der Hüfte habe ich auch den nicht geschüttelt. Irgendwas ist immer anstrengend. Die Sehnsucht nach dem schwerelosen Dahingleiten bleibt unerfüllt. Vielleicht am Donnerstag nach dem Marathon, wenn der schlimmste Muskelkater weg ist und ich mich aufs Mountainbike setze und es bergab rollen lasse. Vielleicht gleite ich dann fast schwerelos dahin bis mich der nächste Anstieg aus meinem Traum reißt. Sport ist anstrengend, da beißt die Maus keinen Faden ab.

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