Er will laufen

Ja, soll er doch, antwortet der Wärterkollege meiner Lieblingswärterin und tut so, als ob er ihr Chef wäre. „Er will laufen“. Ja woher weiß die denn das? Und stimmt das überhaupt? Er wird laufen, aber will er das auch? Eher nein. Wir erinnern uns: es ist Warum-tu-ich-mir-das-an-Dienstag. Also hat der Wärterkollege, der so tut, als ob er Chef wäre, recht. Er soll laufen.

Und zwar 4 x 2000 Meter in je etwas über 7 Minuten mit 3 Minuten Pause dazwischen. Die Beine sind schwer von dem langen Sonntag und der verheerenden Endbeschleunigung. Das Training soll und muss hart sein, aber das? Mit Muskelkater in den harten Warum-tu-ich-mir-das-an-Dienstag? Intervalle mit Beinweh? Das ist es. Super. So machen wir weiter.

„Er will laufen.“ Neulich habe ich sie gefragt, ob sie Kaffee oder Tee trinkt. Bei ihrem Zigarettenkonsum hätte ich eher auf halbsüßen Rotkäppchen-Sekt schließen können. Aber den kann ich nicht kaufen. Ich werde ihr wenn überhaupt, mal eine Flaschengärung mitbringen. Tee oder Kaffee hat sie aber derart brüsk abgelehnt, dass ich vermute, die Compliance im Unternehmen Sportplatz ist ein unumstößliches Regelwerk. Ein Uli Höneß der Bayern. Ein Warren Buffet des Finanzmarktes. Ein World Marathon Major der Laufveranstaltungen.

Ich ackere mich also fleißig durch meinen Trainingsplan, morgen und übermorgen ist nur lockeres Laufen, bevor mich am Freitag wieder der Abend des Herrn erwartet. Herr-lass-Abend-werden-Freitag. Aber bis dahin genieße ich die Lass-mal-gut-sein-Tage und überlege mir, ob ich meiner Wärterin doch lieber Kaffee mitbringen soll.

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