Laufen ist toll

9,5 Grad, eisiger Wind und Regen. Okay, meistens ist er schwach der Regen. Aber eben nur meistens. Ansonsten haben wir alles, was das Laufen so richtig toll macht. Temperaturen unter 10 Grad, Wind, der natürlich von vorn kommt, egal, in welche Richtung man läuft, und Regen. Das gute an Wind und Regen ist, dass man sich nicht sorgen muss, falls der Regen aus Wolken aufhören sollte. Läuft man unter Bäumen, regnet es auch weiter, wenn die Wolken kurz pausieren. Beste Vorraussetzungen für einen Drei-Stunden-Lauf. Austrocknen werde ich nicht und überhitzen auch nicht. Auch sorgt die Luftnässe für weniger Staub. Meine Lungen freuen sich.

Ich liebe diese Zweikämpfe morgens, dessen Sieger mir bekannt ist. Es hat so etwas Genugtuendes, einen Sieger zu kennen, bevor er in den Zweikampf geht. Der Sieger heißt: ich. Ich gewinne gegen den Schweinehund. Immer. Das große Ziel vor Augen, lasse ich dem Schweinehund keine Chance. Nie. Ist aber auch nicht schwer. Bei so verlockenden Bedingungen. Was gäbe es schöneres, als jetzt 35 Kilometer zu laufen? Da hat der Schweinehund von Anfang an verloren. Er kann gar nicht gewinnen. Armer Schweinehund.

Wie ein begossener Pudel trottet er hinter mir her. Triefendes Fell, trübe, geschwollene Augen, träger Gang, jede Pinkelpause nutzend, um den Rückzug anzutreten. Doch das verlängert nur seinen Weg. Frisch auf, frohen Mutes springe ich von dannen, der Schweinehund muss hinterher. Ein fröhliches Liedlein auf den Lippen (regnete es nicht, könnte ich pfeifen) schlage ich dem trägen Hund Kilometer um Kilometer ein hämisches Schnippchen. Wüsste ich es nicht besser, sähe ich ihn seine dritte Zehe in den Himmel recken. Links und rechts. Und eigentlich auch hinten und vorne.

Kilometer 12 heißt, ein Drittel geschafft, Kilometer 17,5 heißt die Hälfte und so weiter. Ach was. Schon so weit? Schade. Es macht doch solchen Spaß, den erbärmlichen Verlierer so vorzuführen. Die Gala-Runde um den verlassenen See ist verwunschen schön. Der Verlierer trottet und trottet. Der Regen aus den Wolken hört tatsächlich für einen kurzen Moment auf, die Bäume übernehmen jedoch zuverlässig. Die Halbmarathondistanz wird durch einen kurzen Sonnenstrahl gefeiert. Die Temperatur klettert sofort auf fast 14 Grad. Kann es schöner sein? Trott, trott, trott. Ich werde den Verlierer nicht los.

Emsig und gehorsam baue ich auch heute wieder eine kleine Endbeschleunigung ein. Gegen den Wind und die Kälte. Der einzige Nachteil ist, dass es dann schneller vorbei ist. Tempoverschärfung im Nirvana. Ruhig äsende Rehe stehen unglaublich lang in meinem Weg. Ich kann sie fast berühren, bevor sie explosionsartig flüchten. Der Wind kommt von vorn. Immer. Die Zeit vergeht. Immer. Kurz mal noch Wettkampftempo testen. Aua, ist das schnell. Das lassen wir lieber. Denn die Uhr zeigt schon 34, 9 Kilometer und der Sieger ist schon fast wieder zu Hause. Dicht gefolgt vom triefenden Felltier.

Gern wäre ich mal so ein fröhlich leichter Sieger. Das trotzige, triefende, geschwollene, fluchende, trottende, sabbernde Faultier zu sein, ist aber viel einfacher und gleichzeitig im Ziel bin ich trotzdem.

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