Laufen lernt man durchs Laufen

Technik wie in Wirklichkeit war früher das Größte für mich. Lego mit Zahnrädern, Achsen, Rädern, Flaschenzügen, Hebeln und so. Alles, was sich bewegt oder gar fortbewegt hat. Es war schwierig zu bauen, aber wenn es erstmal fertig war, stand ich vor einem Wunderwerk und traute mich kaum, damit zu spielen. Technik fasziniert mich bis heute. Außer beim Laufen.

Laufen lernt man durchs Laufen. Das sagen die sehr alten Hasen und haben damit wie immer recht. Zum Teil. Natürlich ist Laufen das Ursprünglichste des Menschen überhaupt. Genetisch implantiert, durch Evolution perfektioniert und das Selbstverständlichste überhaupt. Wären da nur nicht die Sekunden, die zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt entscheiden. 2:45:59 ist okay, 2:46:00 nicht, um es nochmals auf den Doppelpunkt zu bringen.

Schnell wird man durch viel Laufen, durch schnell Laufen und durch gut Laufen. Gut Laufen lernt man durch Technik- und Koordinationstraining, durch Stabilitäts- und Krafttraining lernt man lange gut zu laufen. Technik zeigt sich also in der Wirklichkeit durch Schnelligkeit. Wie beim Lego. Ist ein Zahnrad falsch gesetzt dreht es sich schwer, langsam oder im schlimmsten Fall falsch rum. Dieser Extremfall kommt selbst bei schlechter Lauftechnik allerdings selten vor.

Wie setzt man aber alle Rädchen in der Tempomaschine richtig zusammen? Man hüpft zum Beispiel wie ein 12-jähriges Mädchen, das sich gerade unsterblich in den Klassenclown verliebt hat. 60 Sekunden, keine Sekunde länger und vor allem möglichst unbeobachtet. Es fällt in einer Großstadt nicht immer leicht, 60 Sekunden Hüpferlauf zu machen, ohne gesehen zu werden. Wenn es dann doch passiert muss man mit äußerst ernster Miene dauernd auf die Laufuhr starren und so tun, als sei dies absolut ernste Wissenschaft. Der Hundehalter hat oft Verständnis dafür, sein Begleiter tänzelt meist etwas nervös umher. Okay, diese 60 Sekunden sind geschafft, aber es folgen noch mehr Übungen.

Anfersen geht so: Man läuft mehr oder weniger auf der Stelle und haut sich bei jedem Schritt mit der Ferse in den Hintern. Weitere 60 Sekunden Unbeobachtetheit sind hier von Vorteil. Für die nächsten und letzten 60 Sekunden muss ich dann noch die Oberschenkel bei jedem Schritt in die Waagrechte heben und ebenfalls kaum vom Fleck kommen. Diese Übung sieht noch einigermaßen athletisch aus, so dass man sie für bevölkerungsreiche Abschnitte wählen kann.

Den Kasper könnte ich noch in zahlreichen anderen Übungen zur Perfektion bringen, mir ist es aber ehrlich gesagt meistens sehr recht, wieder in den normalen Laufschritt übergehen zu können.

Das ist also Technik in Wirklichkeit. Koordination. Die Fachleute versprechen mir, dadurch Geschwindigkeit zu gewinnen. Aber mindestens zweimal pro Woche muss man das Programm schon machen. Ins Training eingestreut. Das ist eins von vielen Elementen des Trainings. Manchmal muss ich konzentriert überlegen, ob ich nicht ein Elemnt ganz vergessen habe.

Als Marathonläufer, der deutlich unter 3 Stunden laufen will, muss ich Technik, Koordination, Kraft, Stabilität und Psyche trainieren. Und das alles neben den 120 Kilometern reinem Lauftraining. Das alles für den einen Lauf. Den Lauf der Läufe. Den, der in 165 min vorbei sein soll. Das ist dann wie bei meinem Lego-Auto mit Getriebe und sich bewegenden Kolben. 2 Wochen zusammengebaut, 3 Minuten gefahren und dann in einem Wutanfall an die Wand geworfen.

Nach dem Marathon ist vor dem Marathon.

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