Oder doch lieber Tennis?

Warum ist man eigentlich aufgeregt vor Lauf-Wettkämpfen. Eigentlich sind es doch Wettkämpfe gegen die Uhr. Also gegen eine emotionslose Sache. Gegen die gravitative Zeitdilatation. Ohne persönliche Gegner, es sei denn, man läuft ganz vorne mit. Beim Tennis ist das ganz anders. Da steht einem ein Gegner vor der Nase. Auch wenn man nicht ganz vorne mitspielt. Der reagiert auf einen, der motiviert oder demotiviert einen durch fiese Bälle, die man einfach beim besten Willen nicht erreicht. Der agiert so, dass man auch psychisch zermürbt. Ein echter Gegner, ein Feind. Und man ist danach unterlegen. Oder überlegen. Es ist ein Krieg, bei dem es einen Gewinner und einen Verlierer gibt. Einen, der schlechter war und einen der besser war, sonst niemanden.

Bei einer Laufveranstaltung, meist fälschlicherweise Wettkampf genannt, ist das anders. Das Gros der Läufer und Läuferinnen (ja, es gibt seit Kurzem sogar Frauen, die laufen) nehmen meist 99% Läufer-Frohnaturen und -Frohnaturinnen teil, die mal so einen Lauf schaffen wollen. Die Spaß am gemeinsamen Laufen haben und es als Veranstaltung sehen. Als Sonntagsbeschäftigung, als Familienausflug. Die sind trotzdem aufgeregt. Die Stimmung ist einfach so. Man steht am Start und wartet auf den Startschuss. Das ist aufregend. So aufregend, dass wildfremde Menschen unnötiges Zeug miteinander reden. Plötzlich und unvermittelt. Vor-Start-Aufregungs-Small-Talk. Unerträglich.

Ich distanziere mich eindeutig davon. Nie unterhalte ich mich deswegen beim Start. NIE. Nur wenn ich aufgeregt bin. Also immer. Das geht beim Tennis nicht. Mit wem soll man sich denn vor dem Spiel unterhalten? Mit der Gegnerin? Kein Small-Talk-Ventil beim Tennis. Überdruck bleibt. Und das Ergebnis ist immer eindeutig. Entweder du hast gewonnen oder verloren.

Beim Laufen hat man immer 1000 Möglichkeiten, eine Niederlage in einen Sieg zu verwandeln. Die vielen Höhenmeter machten es unmöglich, die Pace zu halten. Der Wind hat alles erschwert. Das Training steckte einem noch in den Knochen. Man hat schlecht geschlafen. Einen Männer-Schnupfen musste man auskurieren. Hitze. Regen. Und so weiter. Und Sieger ist man eh fast nie. Insofern alles wurscht.

Das ist der Unterschied zum direkten Gegner beim Tennis. Tennis ist also ehrlicher. Direkter. Eine Aufregung ist gerechtfertigter. Jemand spielt heute ein Tennisturnier. Ich fiebere mit und verstehe die Aufregung viel besser, als meine eigene vor der morgigen Laufveranstaltung. Mir werden nämlich 100 Ausreden einfallen, warum ich nicht 36 Minuten auf zehn Kilometer geschafft haben werde.

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