Wettkampftest

Wettkämpfe kann man nur bedingt simulieren, muss es aber manchmal. Zum Beispiel, wenn es im Umkreis von 200 Kilometern keinen gibt oder man in den Urlaub gehen muss oder beides.

Es ist ja nicht so, dass man da viel Spielraum hätte. Vorbereitungswettkämpfe finden immer an fixen Tagen im Trainingsplan statt. Sie dienen dazu, unter Wettkampfbedingungen zu testen, wie schnell man ist und ob man im Ernstfall alles richtig macht.

Im Wettkampf läuft man anders als ohne Wettkampf. Es ist ja auch wirklich furchtbar, wenn einen der Mitkämpfer überholt. Deswegen ist man da ganz anders motiviert und holt mehr aus sich heraus. Wettkampf ist eben Wettkampf und das wissen die gescheiten Leute, die so einen Trainingsplan schreiben. Im Wettkampf hat der Schweinehund kaum eine Chance.

Aber der Schweinehund wittert seine Chance, wenn man den Wettkampf selbst macht. Allein gegen ihn und die Uhr. Aber weit gefehlt, Herr Schweinehund. Meine Disziplin ist unbesiegbar. Ich laufe gnadenlos. 5 Kilometer langsam ein, dann den 10 Kilometer-Wettkampf und dann noch 9 Kilometer aus. Macht 24. Das alles schon am Abend des Samstags allein, statt irgendwo in Hintervorderhausen unter den Schreien der fanatischen Fans.

Ich muss ja in den Urlaub, deswegen schon am Samstagabend. Die Einheiten davor habe ich intelligent auf zwei pro Tag aufheteilt. Auch am Morgen des Samstags bin ich 4 Kilometer gejoggt mit Steigerungen. Macht 28.
Der Wettkampf selbst läuft wie von selbst. Der Schweinehund läuft auch wie von selbst mit. 25 Runden im schon für das Regionalligaspiel am Sonntag vorbereiteten Fußballstadion. Fehlen nur meine fanatischen Fans. Und die Wärterin. Ich muss leider über das Tor klettern. Ich werde mich bei ihr beschweren. Samstag halb acht schon Feierabend.

Den Start rauszuzögern ist immer eine gute Entscheidung. In der Abendsonne noch etwas dehnen, was kein Mensch mehr macht, aber es schenkt mir Zeit. Die weiße Querlinie, die ich gleich 26 Mal überqueren muss, weicht nicht, sondern bleibt beharrlich, ja fast bedrohlich ruhig. Auch das Stadion mit seinen Werbetafeln und noch nicht endgültig platzierten Mannschaftsbänken zeigt keinerlei Mitleid mit mir.

Los geht’s. Der Schweinehund rät mir, statt des 10.000m Tempos lieber das Halbmarathontempo zu wählen, was ich befolge. Nach 37 Minuten und 29 Sekunden ist der Spuk vorbei. Ich feiere meine Disziplin und drücke die Enttäuschung über das zu langsame Tempo beharrlich weg. Muss mir erst mal einer nachmachen, 25 Runden mutterseelenallein überhaupt und dann noch in diesem Tempo zu laufen. Toll. Dass ich 2,5 Minuten zu langsam bin, ist doch egal. Beim Marathon sind das 10 Minuten. Also 2:55. Ziel verfehlt. Aber sowas von.
Die restlichen 8 Kilometer genieße ich. Auch den Schwindel nehme ich gern in Kauf. War wohl ein bisschen wenig Flüssigkeit vorher. Jetzt ist Urlaub und Regenerationswoche. Toll, wie das zusammenpasst.

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