Die Ruhe vor dem Sturm

Es ist Samstag. Nicht irgendein Samstag. Es ist DER Samstag. Der Sonnabend des Herrn. Wir haben ein letztes Mal geschlafen, die kommende Nacht wird eine Überflüssige sein. (Es ist wie immer Kaiserwetter, der Sommer in Berlin findet an ein paar Tagen Anfang Mai und Ende September statt, dazwischen ist es kalt und regnerisch.)

DER Samstag also. Der Marathonläufer erwacht früh. Sehr früh. Ist ja irgendwie klar, wenn er nach einem trainingsfreien Tag kurz vor zehn das Bett aufsucht. Der Rhythmus ist schon auf das Rennen gepolt. Morgen muss das Frühstück um viertel nach sechs abgeschlossen sein. Ruhe ist die bestimmende Gemütsform heute. Die Gäste der Helferbedankungsfeier morgen müssen sich mit vorbereitetem Essen zufrieden geben, gekocht wird heute nicht, gekocht wurde gestern. Heute wird geruht. Nicht viel gehen, nicht viel stehen, viel liegen, ein wenig sitzen und ein wenig laufen. Ja. 20 Minuten sollen es sein. Langsam. Laaaaaaaangsam. Bloß keine Geschwindigkeit. Außer bei den Steigerungen  am Schluss. Fünf mal kurz sprinten. 100 Meter. Das dient dazu, die Muskeln am Rückbau zu hindern. Der Mensch ist ja wie ein Hund auf Energiesparen und Anpassung eingerichtet. Werden die hochgezüchteten Muskeln nicht benutzt, ziehen sie sich sofort zurück. Ins Nichts. Weg. Braucht man nicht mehr. Macht man weg. Um das zu verhindern und gleichzeitig maximale Erholung der noch nicht verschwundenen Laufmuskeln zu erreichen, bedient man sich dieser Tricks. Man suggeriert den Fasern Arbeit ohne wirklich Arbeit zu fordern. 20 Minuten aufwärmen und dann fünfmal kurz, ganz kurz reizen. Sprinten. Sieht dämlich aus, ist aber ein guter Trick. Der Puls geht kurz hoch und schnell wieder runter. Die im behäbigen Abbaumodus befindlichen Muskelfaserzellen erschrecken dann. Ups. Kommando zurück, wir werden ja doch gebraucht. Abbau sofort stoppen! Alarmstufe rot.Der Körper an sich gähnt. Schließlich ist er ganz anderes gewohnt und erwartet auch ganz anderes. Zu Recht. Aber das kommt erst morgen.

Wir sind jetzt nur noch zwei kleine Läuferlein. Die dritte im Bunde kann wegen einer Sehnen- oder Muskelverletzung am Knie nicht laufen. Es ist nur ein kleines Aua, das im normalen Alltag fast keine Bedeutung hätte, für einen Marathonlauf hat es eine große. Es ist das dümmste und blödeste, was passieren kann. Drei Monate harte, konsequente und auch entbehrungsreiche Vorbereitung auf diesen einen Tag. Dann passiert es bei einer der letzten Trainingseinheiten: klock! Aus, Maus, Applaus. Das war’s. Geht nicht gibt’s! PECH heißt: Pause, Eis, Compression, Hochlagern.

Das Suchen nach anderen Marathonläufen noch in diesem Herbst war Hirngespinst, jetzt ist es Realität. Wir laufen für dich mit. Du hilfst uns an der Strecke. Wir revanchieren uns. In Jena, Leipzig, Halle oder Schwerin.

 

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