Drei

Da waren’s nochmal drei.

Der Berlin Marathon glänzt ja durch ein rigides Anmeldesystem. Es gibt eine Anmeldephase von ein paar Tagen ein paar Wochen nach dem Marathon. Da kann man sich als Laufwilliger für das nächste Jahr anmelden. Ein paar Wochen später erhält man dann Nachricht. Man kann sich normal anmelden oder als schneller Läufer oder man gehört zum Jubilee-Club. Schnelle Läufer müssen ziemlich schnell laufen oder schnell laufen und etwas älter sein, Jubilee-Club-Läufer haben den Berlin-Marathon mindestens 10 Mal beendet. Beide haben einen Startplatz sicher. Gehört man aber nicht zur Berlin-Marathon-Aristokratie, muss man sich normal anmelden und hoffen, dass man gelost wird oder nicht. Ja, manche hoffen, dass sie nicht gelost werden. Und für die war diese Bewerbungsphase nicht gut.

Ich habe eine gute Freundin, einen guten Freund und einen guten Bekannten. Die wollten es alle wissen. Komm lass uns mal bewerben, da werden eh höchstens 50% genommen. Und zack alle drei sind auf Anhieb drin. Die Geister, die sie riefen. Marathon! Das Geld wird ja sofort eingezogen, ein Rückzug ist somit unmöglich. Also: beworben – genommen – TRAINIEREN!

Für mich ist das blöd, weil zwei wesentliche Unterstützer an der Strecke ersetzt werden müssen. Für die ist das aufregend, weil sie neben dem Laufen im Gegensatz zu mir auch noch was anderes zu tun haben. Und jetzt, so circa zehneinhalb Wochen vor dem Tag X merken sie, dass das Laufen doch einen nicht unerheblichen Teil der „Freizeit“ einnimmt. Und zwar sowohl rein zeitlich durch die Trainingseinheiten selbst als auch gesundheitlich durch das Fieber, das einsetzt. Rennfieber. Kann ich jetzt schon was falsch machen? Muss ich alle Trainingseinheiten machen? Sollen die Intervalle wirklich so schnell gelaufen werden? Kann man den langen Lauf auch mal etwas abkürzen? Muss ich jetzt schon mit dem Carboloading anfangen? Ich sag’s euch! Das ist ein Vierteljahr Rennfieber. Fokus auf alle Banalitäten des Laufsports. Ich tue immer sehr erfahren und abgeklärt, aber unter uns: mir geht es mindestens genau so wie denen. Jedes Mal.

Man läuft halt so ein bisschen vor sich hin bis Anfang Juli. Läufste heut nicht, läufste morgen. Und dann startet völlig unerwartet (wie Weihnachten immer) der Trainingsplan so etwa 12 Wochen vor dem Marathon und schwupps: Fieber. Anfangs ist es noch leicht erhöhte Temperatur, aber ab der 4 Woche, spätestens vor dem ersten Testwettkampf erhebt sich das zu einem gesunden Fieber. Alle Nebenbeschäftigungen werden nur noch stoisch automatisiert absolviert. Das Herz und der Kopf sind bei der eigentlichen Aufgabe: Marathon. Lästige Familienfeiern, vornehmlich Sonntags und weit weg, noch vornehmlicher an Testwettkampftagen bringen einen an den Rand der Verzweiflung. Hochzeit des Cousins und 80ste Geburtstage werden nach kurzer Recherche, ob dort im Umkreis von 100 km Läufe sind, zähneknirschend zugesagt. Alles andere muss ausfallen. Aber wieso? „Dann läufste halt mal einen Tag nicht!“ Hallo? Schuss nicht gehört? Es geht um das Wichtigste der Welt: den Marathon! Dann läufste halt mal einen Tag nicht! Das ist in etwa so, als wenn man einem Koch sagen würde, dann lässte halt mal das Salz weg. Oder dem Frühling: dann lässte halt mal den Mai weg!

Ich freue mich auf den 25. September um 13 Uhr. Da sind alle drei im Ziel. Und ich auch.

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