Minus 7 – Laufen in der Tiefkühltruhe

Es reicht! Endgültig. Laufen in der Tiefkühltruhe. Diese Kälte ist unfair. Unfair den Insekten, den winterschlafenden Tieren, den Obdachlosen und den Läufern gegenüber. Wer denkt sich das eigentlich immer aus? Wer schreibt das Wetter-Drehbuch? „Diesen Winter machen wir es mal so, dass es wenig schneit, aber gerade viel genug, dass die Wege vergletschern, dann lassen wir es monatelang weit unter Null, damit die Gletscher lang anhalten und die Obdachlosen mal so richtig durchgefrostet werden. Und außerdem sehen wir dann, welcher Läufer seinen Schweinehund nicht Gassi geführt hat, sondern faul mit ihm zu Hause geblieben ist.“

Genau, das Wetter-Drehbuch. Das wird nur gegen Läufer geschrieben. Der Hund denkt ja auch, nein er weiß es, dass das Gewitter nur und ausschließlich für ihn donnert. Es donnert, weil er heimlich ein verschimmeltes Wursträdchen aus dem Mülleimer gezogen hat. Der Läufer denkt, es ist kalt und glatt und windig, weil er beim letzten 10-Kilometer-Lauf nicht alles gegeben hat. Er hat nicht den Geschmack nach Rost und Knochen gespürt. Deswegen muss er jetzt leiden. Bis weit in den April hinein. Strafe muss sein. In kleinen Zyklen und in großen. Der freie Samstag hat eine so genannte Kleinzyklus-Strafe zur Folge, der zu wenig verbissene 10-Kilometer-Lauf bringt eine Groß-Zyklus-Strafe in Form eines Winters bis weit nach den ersten Frühlingswettkämpfen.

So periodisieren wir also nicht nur unser Training, sondern auch unsere Strafen. Alles passiert in Zyklen. Wir müssen in großen Zeitabschnitten denken, dann tut uns das momentane Ereignis nicht so weh. Und was trotzdem weh tut, macht hart. Laufen bei minus sieben Grad lässt einen dann bei Plusgraden dahintänzeln. Laufen auf Gletschern mit etwa einem Schritt zurück bei zweien nach vorn lässt einen auf eisfreien Wegen dann den Vortrieb eines RS6 genießen und wenn der stehende Eiswind aus Osten den warmen Frühlingslüftchen aus allerlei Richtungen weicht, fühlen wir uns umschmeichelt und am blauen Band gezogen.

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