Ultra

Jenseits heißt das. Aber jenseits wovon? Jenseitsmäßig sind so absurde Wortschöpfungen aus dem südlichen Teil Deutschlands. Das Jenseits wird oft religiös verwendet oder dann wenn man Angst hat, über den Tod zu reden. Ich habe keine Angst über den Tod zu reden, dennoch soll es jetzt nicht darum gehen. Ultra im Ausdauersport bedeutet immer jenseits der üblichen Distanz. Ein Ultra-Halbmarathon ist also ein 25-Kilometer-Lauf? Vielleicht. Ich glaube allerdings, dass man nach jeweiliger Vorstellung immer das schon fast Unerreichbare nimmt, also im Laufsport die Königsdistanz Marathon. Jenseits des Marathons heißt also noch länger. Länger als 42,195 Kilometer.

Per Definitionem ist also ein Ultramarathon jede Strecke, die länger als ein Marathon ist. Also bin ich jetzt ein Ultramarathonläufer. Denn ich habe schon zwei Einheiten mit je gut 43 Kilometern absolviert. Das ist lang und das tut auch weh. Es belastet den Bewegungsapparat, die Sehnen, die Knorpel, die Muskeln, die Knochen und auch die Psyche. Vier Stunden laufen ist ziemlich lang. Das ist ein halber Arbeitstag, den man nur mit Laufen verbringt. Und es ist ein Ultramarathon. Streng genommen.

Man nimmt sich für solche Ultramarathons im Training auch ultraviel Zeit. Man läuft also langsam. Und gleichmäßig. Ich für meinen Teil laufe immerhin gut 70 Minuten länger als bei meinen Marathon-Wettkämpfen. Das ist echt Ultra. Aber es wird noch ultraer. Denn am 20. Mai geht es wirklich zur Sache: fast 73 Kilometer und knapp 2000 Höhenmeter stehen vor mir und ich im wahrsten Sinne wie der Ochse vor dem Berg.

Ich muss mal ganz ehrlich sagen: Mir ist mulmig zumute. Die langsamen Vierstundenläufe gehen ja einigermaßen. Da sind allerdings nicht annähernd die Höhen dabei, die es beim Rennsteig zu bewältigen gibt und es fehlen noch 30 Kilometer obendrein. Ist es die normale Angst vor noch unbekannten Distanzen? Ist im Wettkampf alles anders, wie immer? Oder ist das tatsächlich eine Nummer zu groß?

Jenseits der Vorstellungskraft. Auch das heißt wohl Ultra-Marathon.

 

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